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Simone Ibrahim

Gib dich geschlagen

Wenn ich zurück denke daran, was einen wirklichen Unterschied gemacht hat in meinem Leben, was mich wirklich befreit hat, dann gibt es eine Sache, die aus allem andern heraussticht.

Das ist mir gestern bewusst geworden, als sich gleich bei zwei Klientinnen hintereinander eben dieses Thema zeigte.

Gleichzeitig ist diese Sache etwas vom Schwierigsten und Herausforderndsten, durch das ich hindurch gegangen bin.

Ich spreche davon, die Kämpfe aufzugeben, die wir führen.

Und damit meine ich nicht einfach die Entscheidung, nicht mehr zu kämpfen, sondern sich wirklich geschlagen geben. Sich als Verlierer des Kampfes zu erklären.

Wenn ich an meine grössten schmerzhaftesten Kämpfe denke, so hatten sie alle mit Beziehungen zu tun. 

Ich habe darum gekämpft, schwanger zu werden. Nicht äusserlich, aber innerlich. Ich habe die in mir bekämpft, die so lange nicht schwanger werden konnte. Ich habe sie verurteilt, ich wollte ihren Schmerz nicht fühlen, ich wollte nicht eine Frau sein, die kein Kind gebären kann. Und es hat keine Rolle gespielt für mich zu wissen, dass körperlich alles vollkommen ok war mit mir. Es ging darum, mich geschlagen zu geben. Mir meine Machtlosigkeit einzugestehen, aufzuhören nach der einen Sache zu suchen, die vielleicht am Ende den Entscheidenden Unterschied machen würde.

Dann musste ich schmerzhaft lernen, aufzuhören dafür zu kämpfen eine Beziehung zum Funktionieren zu bringen, die immer wieder zutiefst schmerzhaft war. Auch hier meine Machtlosigkeit anzuerkennen. Vor dem Leben zu kapitulieren und auf die Knie zu gehen. Mir einzugestehen, dass ich es nicht «machen» kann.

Und ich musste aufhören damit, jemanden von mir überzeugen zu wollen. Davon, dass ich es wert war, mich zu wählen, sich für mich zu entscheiden.

All diese Erfahrungen haben meinen Stolz gebrochen.

Und das war das Beste, was mir passieren konnte.

Denn als mein Stolz gebrochen war, ist auch mein Herz aufgebrochen und so konnte mich das Leben endlich wirklich erreichen. Es hat angefangen durch mich zu fliessen. Und das Leben ist grösser als ich. Obwohl auch ich das Leben bin, so bin ich eben doch nur ein kleines Sandkorn in einer unendlichen Wüste.

Es hat mich demütig gemacht, auf eine Art und Weise, die sich wahrhaftig anfühlt, nicht etwa wertlos, sondern von unermesslichem Wert.

Ich fühle, das etwas durch mich wirkt, das grösser und machtvoller ist als ich und von dem ich mich führen lasse. Und das ist das schönste Gefühl überhaupt für mich.

Damit es mich wirklich führen kann, musste ich mich ihm ergeben, hergeben, hingeben.

Ich fühl mich heute so gehalten von diesem Grösseren. Und ich bin sehr sehr dankbar, dass ich mich irgendwann, als der Kampf unerträglich schmerzhaft wurde, geschlagen gegeben habe.

Ich möchte all diejenigen von euch, die ebenfalls einen Kampf führen dazu ermutigen, sich geschlagen zu geben. 

Das ist der Moment, in dem etwas Grösseres euch erfasst und über die Schwelle trägt. 

Das ist der Moment, in dem wir erfahren können, dass unser Wille nicht die einzige Kraft ist um das im Leben zu erschaffen, was wir uns in der Tiefe des Herzens wünschen.

Bild: Unsplash

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